Soziales durchaus zornig

August 11, 2010

Heute stehen Artikel der Ausgabe 6/2010 der ksö-nachrichten im Mitelpunkt. Und das passt ganz gut zu einem Vortrag, den ich gestern gehört habe, über Rechtumsforschung, von Martin Schürz. Ich rate diesen Namen zu googeln und das zu lesen, was er publizierte, v.a. auch deshalb, da man den Wissenschaftler derzeit mundtot machen will. Schürz versucht höchst seriös sich dem Phänomen des reichtums in Österreich zu nähern und Fakten darzustellen, die besonders in der derzeit laufenden Sparensdebatte und Steuerdebatte sehr wesentlich wären. Aber die Reichen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie in der Lage sind, qua Position Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen (leichte Abänderung eines Zitates von Ulrike Herrmann, deren neues Buch über den Selbstbetrug der Mittelschicht auch lesenswert sein dürfte), verstehen es zu verhindern, dass diese Fakten an die Öffentlichkeit kommen. Statt dessen kolportieren sie lieber, dass es nicht leistbar wäre, Mindestanforderungen an sozialer Absicherung (weiterhin) zu bezahlen – ich denke dabei etwa an die komplett falsch dargestellte Mindestsicherung oder an die heute von Zaun gebrochene Diskussion über Sinn von Pflegegeldstufen. Sie verstehen es, Angst zu schüren, wenn an ihren Privilegien geknabbert wird und zeigen statt dessen mit dem Zeigefinger auf die, die aufgrund von Notsituationen staatliche und damit solidarische Hilfen benötigen, die einen Bruchteil dessen ausmachen, was die reichen auch in Österreich schamlos anhäufen, auch auf Kosten der Armen, die schlussendlich den Reichtum finanzieren. Das anzuschauen wird verhindert, durch mächtige Politiker, gerade auch aus den Reihen sogenannter christlich gesinnter Parteien. Sollten alle die ksö-nachrichten lesen, in sich gehen, Buße tun und sich mal den Schürz anhören.

Ökologie, Lebensstil und soziale Gerechtigkeit
Richard Sturm
ksö 6/2010

Richard Sturm, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft an der Universität Graz schreibt, dass das Klimaproblem neue Lebensstile und Tugenden verlangt (schau schau) und die Wiedergewinnung sozialer Gerechtigkeit als zentrales globales Diskursthema, weites meint er, neues Wissen und dessen Vermittlung sei von Nöten sowie globale politische Institutionen neuer Qualität. Wir müssen damit umgehen, dass das fossile Zeitalter zu Ende gehen wird, wir benötigen eine postfossile Mobilität. Das Problem an der ganzen Sache ist aber die Trittbrettfahrermentalität: jeder ist von den Entwicklungen betroffen, keiner kann ausgeschlossen werden, neue Entwicklungen sind mit Kosten verbunden, an denen sich aber niemand beteiligen will. Sturm stellt fest, dass es der neoliberalen Epoche gelungen ist, den Diskurs um soziale Gerechtigkeit zu diskreditieren. Thatcher sagte: „There is no such thing as society“, daran leiden wir heute. Die globale Bedrohung der Atombombe war sichtlich greifbar und führte zu globalen Politiken, die globale Bedrohung des Klimawandels scheint hier weniger greifbar, weswegen es keine globale Politik gibt, die etwa der Politik des Gleichgewichts der Abschreckung vergleichbar wäre. „Es ist auch eine moralische Herausforderung [diese globale Klimapolitik] weil es einen großen Schritt von der ungeselligen Geselligkeit zu globaler Solidarität bedeutet.“

Betteln in Wien
Margit Appel
ksö 6/2010

Eine kritische Glosse zur Kampagne der Wiener Wirtschaftskammer gegen die Aktivitäten organisierter Bettlerbanden. Die Wirtschaftskammer fordert dabei auf, Bettlerinnen und Bettlern nichts zu geben, stattdessen aber Hilfsorganisationen zu unterstützen. Die BettelLobbyWien meint, damit werde versucht zu reglementieren, wer sich im öffentlichen Raum aufhalten dürfe. Bettelverbote, so die BettelLobby verletzten Grundrechte, Bettlerinnen und Bettler vor Geschäften nicht, „beeinträchtigen aber unser aller eingebildetes Recht auf ungestörten, nicht durch den Anblick von Armut getrübten Konsum“.

Wandel der Frauenerwerbsarbeit in Österreich
Ulrike Papouschek und Ingrid Mairhuber
ksö 6/2010

Die beiden Sozialwissenschafterinnen an der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien referieren hier einen Ausschnitt aus dem Frauenbericht 2010 (www.bka.gv.at/site/7207/default.aspx)

Es ist dies übrigens der erste Frauenbericht seit 1995. Erwerbstätigkeit der Frauen seit damals gestiegen, aber hauptsächlich aufgrund atypischer Beschäftigungsverhältnisse. Rollenverständnisse traditioneller Natur haben sich zwar verändert, aber im Praktischen merkt man davon wenig. Einstieg ins Erwerbsleben noch immer geprägt durch geschlechtsspezifische Zuschreibungen, Gehaltsdiskriminierung von Frauen hat bei Berufseinstieg seit 1995 zugenommen! Erwerbsverläufe von Frauen diskontinuierlicher, das v.a. auch dank der finanziellen Unterstützungen bei Babypausen im Gegensatz zu außerhäuslichen Betreuungsangeboten. Dies wirkt sich aufgrund der Pernsionsberechnungen auch diskriminierend auf Frauen aus, da auch Zeiten der Teilzeit sich (pensionsdrückend) auswirken. Man sollte wohl auch besser darauf schauen, wie sich diverse Leistungen und Angebote auf Frauen auswirken. So schreiben die Autorinnen über das Pflegegeld: „das Pflegegeld baut implizit und explizit auf der Verfügbarkeit von Frauen bzw. informeller, familiärer Betreuung auf“. Auch die 24h Betreuung ist eigentlich eine  staatlich geförderte Diskriminierungssache (Migrantinnen, die schlecht bezahlt werden).

Kraus

August 10, 2010

Ein kleiner noch nicht veröffentlichter Nachtrag zur Lektüre von Literatur und Kritik 455 – schon vor ein paar tagen gelesen, und so wie alles hier ja eigentlich nur für mich geschrieben sozusagen als Lesetagebuch und noch immer in schwerer Zeit. Von den Rezensionen würde ich  mir, wenn es passte den Erzählband von Bettina Balaka „Auf offenem Meer“ kaufen. Hat mich von allen besprochenen Büchern (Brunngraber: Karl und das 20. Jahrhundert – Achtung, bekannt schon durch Eva Jancaks Sophie Hungers, Röggla: Die alarmbereiten – ist mir zu hermetisch, die Röggla, Röggla/Grajewski: tokio, rückwärtstagebuch – da hab ich Auszüge ich glaub in den Manuskripten gelesen, auch nicht so meins, Pohl: Die Spindelstürmer – ist nicht gar so gut beschrieben, Müller-Wieland: Wohin auch immer – da lieber die Balaka, Jonke:Alle Gedichte – Lyrik ist auch nicht meins) am meisten angesprochen. Außerdem kenn ich ihren Roman Eisflüstern, der mir sehr gut gefallen hat.

Also jetzt der Lektürenachtrag: ein bisserl Kraus und ein unbekannter Schriftsteller:

Es geht alles wie am Schnürchen, zuweilen wie am Strick
oder neue Erkenntnisse zu Karl Kraus
Eine Geschichte vom Wiener Donaukanal
Erwin Riess
L&K 455

Eine Riess-Conference, also Groll mit dem Dozenten um die Figur Karl Kraus und seine Themen, im besonderen auch um die Behandlung der Themen Behinderung und Minderheit bei Kraus. So erfahre ich auch, dass der Begriff „behindert“ zuerst bei den Nationalsozialisten aufgetaucht sei, in dem Fall natürlich der medizinische Behinderungsbegriff. Wesentlich für die Betrachtungen über das Kraus´sche Denken sind die Ausgaben der Fackel, die als ein großes literarisches Werk begriffen wird – sollte man halt auch mal lesen, ist ja im Internet lesbar (http://corpus1.aac.ac.at/fackel/). So wird etwa vom Dozenten der Artikel in der Dackel erwähnt, in dem sich Kraus über die Teerung und Federung eines Schwarzen in Amerika äußert: „Die Erker des vornehmen Badehotels auf dem Hauptplatz seien während dieses Schauspiels von einer großen Anzahl reicher Badegäste besetzt gewesen“. Groll erwähnt eine Geschichte von Kraus, wo dieser in der Fackel behauptet, der Vulkanausbruch auf Krakatau sei von der Wiener Rindfleischinnung als Rache für das Importverbot der Krakatauer für Wiener Rindfleisch hervorgerufen worden. Vorbildlich hätte sich Kraus immer für die Schwachen eingesetzt, meint der Dozent. Wir erfahren, dass Kraus Benn, Heidegger und Spengler negativ gegenüberstand und auch Furtwängler und Richard Strauß mit Spott überzog. Wir erfahren auch, dass Kraus noch in seinen letzten Werken die Gräuel des aufsteigenden Nationalsozialismus (in Deutschland ja schon an der Macht) an den Pranger stellte. Die Verharmlosung Karl Kraus als Sprachkritiker darzustellen wird angeprangert. Diesbezüglich wesentlich ist das Ende der Dritten Walpurgisnacht, ein verzweifelter Anruf gegen den nationalsozialistischen Wahnsinn. Eingebettet sind diese Betrachtungen, die auf einer Lesung von Riess in der Alten Schmiede basieren, in Ergüsse zum Donaukanal, zur Wiener Donauschifffahrt und zur Architektur am Kanal.

„Es gibt eine Insel“
Ein Besuch in  der „Bibliothek Janowitz“
Hansjörg Graf
L&K 455

Die Bibliothek Janowitz, das sind die Schriften und Betrachtungen in Zusammenhang mit der Beziehung von Rilke und Kraus zur Baronesse Sidonie Nadherny von Borutin auf Schloss Janowitz, 70km südlich von Prag gelegen. Karl Kraus hat Gedichte  an Sidonie geschrieben, es gibt einen Briefwechsel mit Rilke, ebenso mit Kraus, auch Peter Altenberg spielt eine Rolle. Alle diese Dokumente sind in der Buchreihe „Bibliothek Janowitz“ herausgegeben und die Reihe wächst.

Zur Biografie
Karl Wimmler
L&K 455

Ein Autor im  österreichischen Alphabet, der Artikelfolge über zumeist unbekannte österreichische Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts, der zwar biografisch wenig Bezug zu Österreich hat (geboren 1900 in Prag, Aufenthalte in Berlin, Exil in Amerika kehrt nach dem Krieg nach Prag zurück, dann in Berlin) aber in seinen Geschichten diesen immer wieder herstellte. Franz Carl Weiskopf war ein Linker, seine Frau wird später eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen der DDR sein. In den Zwanzigerjahren reist Weiskopf durch die UdSSR und veröffentlicht seine Reisenotizen. Im Roman „Das Slawenlied“ setzt er sich mit dem Ende des Habsburgerreiches auseinander (Österreichbezug). In Prag versucht er noch journalistisch gegen Hitler zu agitieren, bevor er sich dann über Paris absetzen muss, doppelt gefährdet als Linker und als Jude. Vielleicht wäre es mal spannend seinen Roman Lissy zu lesen, der 1957 auch verfilmt wurde. Mit einer (unvollendeten) Romantrilogie versucht er sich noch einmal mit dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches auseinanderzusetzen, aus Sicht der Tschechen. Der Roman „Abschied vom Frieden“ wird von Wimmler als ebenbürtig dem Mann ohne Eigenschaften beschrieben. 1947 wird Weiskopf Botschafter der CSR in Stockholm, 1949 in China. 1955 stirbt er plötzlich in Berlin. Blitzlichter aus dem Leben eines Dichters, vielleicht findet sich im ZVAB ja das eine oder andere Werk.

Sophie Hungers Krisenwelt
 Eva Jancak

Würde er hineinpassen in eine Arbeiterbibliothek, der 2009 geschriebene und 2010 erschienene Roman der Eva Jancak, so wie der Roman „Karl und das 20. Jahrhundert“ von Rudolf Brunngruber, der nicht zuletzt da eine der Hauptfiguren von Sophie Hunges auch Karl Lakner heißt eine wichtige Rolle in der Krisenwelt spielt. Es sind einfache Menschen und Menschen, denen die Wirtschaftskrise des Jahres 2009 zusetzt, die Eva Jancak da beschreibt, und so wie in ihrem Roman „Das Haus“ kommt wieder ein fast 100jähriger vor, der sozusagen am Vorabend dieses epochalen Geburtstages verstirbt – diesmal an einem Verkehrsunfall. Wieder verknüpft Eva Jancak die Schicksale der Protagonisten, die sich erst im Rahmen des sich über einen Zeitraum von etwa 10 Tagen ziehenden Geschehens kennenlernen. Aber in diesen 10 Tagen laufen sie einander häufigst über den Weg. 2 Gruppen sind es, die da, jede in sich eng verwoben, das Leben in einem Grätzel nahe des Donaukanals verbringen. Soophie Hungers, Ich-Erzählerin, freigesetzt vom Verlag als Lektorin, da freiberuflich tätig ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld, versucht sozusagen im bücherlesenden Winterschlaf durchzutauchen. Dasselbe probiert Franka Stein, Friedhofsrednerin und Abonementkeilerin, Tochter eines in Kanada zum Milliardär gewordenen, der ihre Mutter, die an Geburtsdepression suizidal verstorben, noch vor ihrer Geburt kennengelernt hat und Enkelkind des oben bereits beschriebenen Karl Lakner. Karl Lakner, der in einem von Nonnen geführten Altersheim – back tot he catholic roots sozusagen – seinen Lebensabend verbringt, hat die Arbeiterbibliothek der Arbeiterkammer nach dem Krieg aufgebaut und lernt Sophie am Donaukanal kennen, sich für ihre Arbeiterlektüre interessierend. Da spielt die Büchergilde Gutenberg eine wichtige Rolle, hat diese sich doch der Arbeiterliteratur in der Zwischenkriegszeit verschrieben und besitzt die Hungers eine Reihe von Büchern aus Erbstücken heraus. Am Ende des Romans wird sie den Bibliotheksnachlass von Karl Lakner erben, da ist sie auch schon eng befreundet mit Franka Stein, die dann wiederum ihren dem neoliberalen Wirtschaftsleben verfallenen Freund Hannes verlassen hat. Das also die eine Gruppe. Die anderen sind Valerie Oswald, die von ihrem Mann Hubert verlassen, antriebslos und depressiv in ihrer vermüllten Wohnung lebt, dort von ihrer Mutter, der pensionierten Kindergärtnerin Hertha Werner umsorgt wird, die auch darauf schaut, dass die beiden Kleinkinder Clarissa – eine altkluge Fünfjährige – und Felizitas ordentlich aufgezogen werden und das Jugendamt nicht auf die Idee kommt, da eingreifen zu müssen. Valerie will ihren Mann zurückholen, der mit seiner Sekretärin abgehauen ist, und bekommt mit Felix Baum, einem aufs berufliche Abstellgleis gestellten Briefträger, den (passiven) Helfer, den sie braucht, um wieder auf beide Füße zu kommen. Am Ende der Gattennachreise von Graz über München, Berlin, Dresden und Bratislave hat Valerie zwar ihr vordergründiges Ziel nicht erreicht, aber das Ziel, ihren Kindern wieder eine intakte Familie zu bieten wahrscheinlich schon und der Nesthocker Felix scheint sich als ganz passabler Partner zu entpuppen. Wir lernen im Roman auch auf durchaus amüsante Weise eine Möglichkeit kennen, mit wenig Geld durchs Leben zu kommen und trotzdem auf wesentliche Dinge nicht verzichten zu müssen, auf reisen, auf interessante Lektüre – gut die ist auch irgendwie vererbt – auf spannende Gespräche und auf gute Freundschaft. Man kann was machen aus seinem Leben, auch wenn die Krise hart ist, das sagt uns der Roman.

Bruder Ernest, Schutzpatron fürs Leben
Hemingway, Habeck und ich
Andreas Weber
L&K 455/2010

Eine Liebeserklärung an den Autor Ernest Hemingway mit einem kurzen biografischen Abriss (nachzulesen ist das alles auch im Wikipedia, mich hat beeindruckt, vielleicht als weiterführende lektüre irgendwann einmal, dass es von seinem Sohn Gregory, der nach Geschlechtsumwandlung Gloria Hemingway hieß eine  1976 veröffentlichte Biografie „Papa:A Personal Memoir“ gibt und dass Hemingway gesagt haben soll, „gefragt nach der besten Schule für einen Schriftsteller…:´eine unglückliche Kindheit´“

Die Liebe zu Hemingway – so Andreas Weber – führte bei ihm zu einem Anglistikstudiumsversuch, den er aber nach wenigen Wochen abbrach, da die für ihn wirklich spannende Literatur dort nicht behandelt wurde. Allerdings setzte er sich auf die Spur des Autors und besuchte etwa die Buchhandlung Sylvia Beach&Co. in Paris, in der viele berühmte Autoren verkehrten. Eine Episode des Besuches, nämlich wie er eingeladen wird, auf der Couch zu sitzen, die auch von Hemingway, Joyce usw. benutzt wurde, schildert Weber im zweiten Teil des Essays.

Im dritten Teil geht es um Fritz Habeck, einen österreichischen Autor, der im Besitz von Briefen von Hemingway an ihn ist, mit dem ihn eine briefliche Freundschaft verband. Weber hat über Habeck auch einen Film gedreht. Weber besucht Habeck, als dieser weit über 70 Jahre alt meint, nichts mehr schreiben zu können, auch wenn er noch viele Gedanken zu Büchern hätte. Mit Weigel war Habeck zerstritten, ebenso war er ein Gegner der Gruppe 47. Habeck beschreibt sich selbst als „Schriftsteller des Krieges. Das Soldatenleben, Grenzsituationen, das hat mich fasziniert“. Wohl auch deshalb war er fasziniert von Hemingway.

Ein interessanter Essay, der zwei Dichterpersönlichkeiten verbindet und auch einige schriftstellerische Ratschläge bereithält wie z.B. diese beiden:
„Hemingway schreibt so, dass sich die Frage: Was will uns der Dichter mit seinem Text sagen? Nicht stellt. Seine Texte sind frei von jenem langweiligen Verweischarakter, mit dem Handlung, Szenen und Dialoge fiktionaler Literatur üblicherweise auf die sogenannte außerliterarische Wirklichkeit einwirken wollen.“
„Dem Hemingway hat die Gertrude Stein in seinen ersten Geschichten, die er ihr zu lesen gegeben hat, die meisten Adjektive ausgestrichen, Adjektive verwendet man nicht! Es gibt kein entsetzliches Erlebnis. Wenn ein Erlebnis entsetzlich ist, muss das in der Beschreibung herauskommen.“

Kalte Asche (Carolina Schutti)
L&K 445/2010

Der Monolog eines Nachtwächters, der versucht sich munter zu halten, halluzinierend von einem Tommy und einer Eva erzählt. Erst das Ende der Geschichte vollendet das Vorhergehende zu einem Gesamtbild: der Tommy scheint bei einem Unfall ums Leben gekommen und die Eva kennt der Ich-Erzähler nur von einer bei einer Bushaltestelle gefundenen Karte. Ein hervorragend konstruierter Text mit dichter Atmosphäre. Mein Lieblingssatz aus dem Text:“ich kann mir alles herdenken. Wegdenken ist viel schwerer.“

Die Übertragene
L&K 445/2010

Dass die Ich-Erzählerin eine Erzählerin ist und kein Erzähler, das zu durchschauen hab ich etwas Zeit benötigt, wenn es mich auch wunderte, dass da bei einem ich-erzählenden Mann ein Freund namens Thomas auftaucht. Ja, schwule Literatur ist äußerst unüblich zumindest in meinen Zeitschriften, aber die Welt war dann ja in Ordnung, ich hier ist eine Frau. Es geht um das Leben in der Fremde, eigentlich in der Fremdsprache, um das Leben in Österreich – eine Situation, die der Autor des Textes (Grzegorz Kielawski) aus eigener Anschauung kennt. Es geht um Schriftsteller sein in einem fremden Land, es geht um den Besuch beim Lektor, es geht natürlich auch um Mann-Frau-Erotik. So bleibt mir unklar, ob es in Linz dann auch zu einem Seitensprung des Lektors mit der Ich-Autorin kommt, sie besucht ihn ja in seiner Wohnung und die Ehefrau Sonja ist nicht zu Hause. Aber wie gesagt, das Hauptthema ist das Leben in der fremden Sprache und der Umgang damit.

Mit Feuer und Schwert

August 7, 2010

Ein Rückblick auf den Lesestoff der vergangenen Tage. Sienkiewicz Projekt Polen Trilogie 1, die Teile 2 und 3 müssen dann erst in  mein Bücherbudget passen, sind sie doch eher teuer im ZVAB zu erwerben, dafür hab ich jetzt Quo Vadis gleich dreimal, weils schon zweimal in meiner Bibliothek vorhanden war und dann auch der Text, der im Band 1905 der Freunde des Literaturnobelpreises abgedruckt ist. War ein ziemlicher Bestseller zu seiner Zeit, millionenfach verkauft und in viele Sprachen – noch zu Lebzeiten des Dichters – übersetzt. Ich werde wohl die zwei anderen Bände, übrigens auch antiquarische Ausgaben, der Allgemeinheit über eines der beiden Bücherkistl zur Verfügung stellen. Ein bisschen hab ich mich in der neuen Ausgabe von Literatur und Kritik vorwärtsgearbeitet. Die Spitalsbesuche gehen weiter, zwischen Hoffen und Bangen, was der jeweils neue Tag bringt.

Mit Feuer und Schwert

Das ist der erste Teil der Polen Trilogie von Sienkiewicz und behandelt den Aufstand der Ukrainer gegen die polnisch-litauische Herrschaft. Das Ganze spielt also in der Zeit um 1650. Kosaken und Tartaren gegen Polen,das ist die Story und im Mittelpunkt stehen 4 polnische kleinadelige Soldaten, die unter dem Fürsten Jeremi Wisnowiecki dienen: Jan Skrzetuski – er ist auch der männliche Part der natürlich ebenfalls notwendigen Liebesgeschichte, weiblicher Part ist die Fürstin Helena, der große Podbipienta, auch Longinus genannte, auch er hat eine Nebenliebesgeschichte laufen und das große Ziel 3 Feinde mit einem Schwertstreich zu töten, Michael Wolodyjowski, von Gestalt das Gegenteil des Herrn Longinus, jedoch ein gewandter Fechter und Herr Zagloba, ein dicklicher Typ, der aber mit Witz es versteht, sich durchs Leben zu schlagen und im rechten Moment auch versteht, sich trefflich im Kampfe zu schlagen. Also die Lichtfiguren wären genannt, die finsteren Gestalten sind der Kosak Bohun, der Rivale von Skrzetuski imStreit um Helena, oftmals von den 4 Helden besiegt, aber immer wieder sich aufrappelnd und plötzlich auftauchend und zu neuem Streite fordernd sowie der Kosakenhäuptling Chmielnicki, der bis zum Schluss mit seinen aufständischen Truppen der wahre Widerpart der Polen bleibt. Gleich am Beginn hören wir, dass Skrzetuski ihn irrtümlich aus den Händen seiner Häscher befreit hat. Also eion bisschen klassisches 007 Szenario Gut gegen Böse, das Böse immer besiegt bleibt doch bestehen, aufgeputzt um den witzigen Sancho Pansa Typen Zagloba, der zwar im Vorfeld eher feige zurückhaltend dann doch dreinhaut, wenns drauf ankommt. In der Schlussschlacht – es geht um die Entsetzung der belagerten Stadt Zbaraz – fällt Longinus (sein Tod wird als Märtyrertod dargestellt, durchbohrt von den Pfeilen der feigen Kosaken und Tartaren) und Skrzetuski rettet durch seinen heldenhaften Durchbruch der feindlichen Reihen (erinnert ein bisschen an Karl May das Ganze) die polnische Truppe, indem er den zögernden polnischen König dazu bringt, zum Entsatz der Stadt aufzubrechen. Natürlich bekommt er auch seine Helena zur Frau. Ich hab es ein bisschen wie Grimmelshausen gelesen, es macht ein wenig einen schelmenhaften Romaneindruck (spielt ja auch in ähnlicher Epoche). Die geschichtlichen Hintergründe dazu sind übrigens im Wikipedia nachzulesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Hetmanat#Ukrainischer_Volksaufstand_und_Bohdan_Chmelnyzkyj)

Diese Reise ging über 3 Kilometer und dauerte 33 Jahre lang
Über das Lager Glasenbach und die Glasenbacher
Ulrike Schmitzer
L&K 445/2010

Ulrike Schmitzer nähert sich – erzählerisch mäandrierend – dem Entnazifizierungslager Glasenbach und den Geschichten seiner ehemaligen Insassen. Die „Glasenbacher“ sind nicht sehr erpicht darauf, sich zu outen und die Entnazifizierung scheint auch nicht so recht gegriffen zu haben. Der Anhauch einer Versöhnung wird am Ende des Essays dargestellt, nach einer Filnvorführung über das Lager beobachtet die Autorin im Jahr 2009 wie sich der Präsident der israelitischen Kulturgemeinde und ein ehemaliger Waffen-SSler die Hand geben. Schmitzer erscheint es wichtig, sich auch mit den Tätern und Mitläufern zu beschäftigen, das sei kein Zeichen der Solidarisierung mit ihnen, sei aber wichtig, um den Mantel des Schweigens zu lüften.

Der Gründer der Firma
Besuch in Zlin
Beppo Beyerl
L&K 445/2010

Beyerl berichtet über die von der Schuhfabrik Bata geprägte tschechische Stadt, über die von Le Corbusier erstellte Stadtplanung in Achsen, über die konzentrische Anlage der Stadtzonen – im innersten Kreis die Firma, in der Schuhe am Fließband erzeugt wurden und deren Gründer Tomas Bat´a das Konzept Fords nach Europa brachte, dann folgt der Schul- und Lernbereich, dann der Unterhaltungsbereich der v.a. mit sportlicher Ertüchtigung zu tun hat (übrigens wurde für jede Position in der Fußballmannschaft ein eigener Schuh angefertigt!) aber auch ein riesiges Kino und Einkaufszentren und im vierten Kreis die Wohnhäuser. Der Weg zur Arbeit führte also durch alle diese Kreise, am Arbeitsweg konnten auch die Verrichtungen des täglichen Lebens gleich abgearbeitet werden. Auch einen Wolkekratzer gibt’s in Zlin, also der Batá Familie war nichts zu teuer, um das modernde Leben geplant in die Stadt der 65.000 Schuharbeiter Einzug halten zu lassen. Macht ein wenig neugierig auf die Stadt, der Reiseessay.

Miss World aus Bruck an der Mur
Versuch über das Steirische
Manfred Wieninger
L&K 445/2010

Eva Rueber-Staier, 1951 in Bruck/Mur geboren, 1969 Miss World, optischer Aufputz von Truppenbetreuungsshows in Vietnam, Rubelvitch in drei James Bond Filmen. Heute lebt sie als Hausfrau in England. Wer kennt denn diese Steirerin – und die war auch in Hollywood, so wie der Arnie. Wieninger macht sich ein bisschen lustig über Bruck, diese Industriestadt, die versucht sich als Wohlfühlstadt touristisch zu platzieren. So richtig wohlfühlend kann es ja nicht sein dort, wenn der sogenannte Ostring, eine auf Stelzen stehende Umfahrungsstraße gleich an die Innenstadt angtenzt („das Ganze kann man sich als eine Art Südosttangente vorstellen, die am Wiener Schottenring vorbeiführt“). Abschließend bietet Wieninger noch einen Gedanken zum Wirschafttsleben, angeregt durch die Werbung eines Paintball-Arena-Besitzers im Stadtteil Thörl:Zahlreiche Firmen nutzen die Anlage, um den Teamzusammenhalt zu fördern. „Wirtschaft ist eben Krieg, und Paintball macht das erlebbar für die Mitarbeiter“.

Miniaturen (Günther Kaip)
L&K 445/2010

9 kleine Prosastücke, Miniaturen eben. Assoziativ für mich geht es um Fragen der Kommunikation, Fragen des Miteinander, Fragen des Überlebenskampfes und der Vereinzelung, Fragen der Einsamkeit. „[Wenn] die Drehung des Schlüssels nicht vollendet [wird], dann gibt es keine Hilfe mehr“.

Polen, Japan und England

August 3, 2010

Zwischen Krankenhausbesuchen, Mutterberuhigungen, emotionalem Auf und Ab und natürlich beruflich sommerlichem Fortgang mit kleinem Sommerloch der Versuch, auch das Lektürevorhaben fortzusetzen. Heute 2 kleine Ausschnitte aus der neuen Ausgabe von Literatur und Kritik, die das Zeitschriftenrennen gegen Psyche (gerät etwas ins Hintertreffen, v.a. da die Juliausgabe uröde ist) und dem neuen Kunstforum gewonnen hat. Nebenbei wird der erste Teil der Polen-Trilogie von Sienkiewicz (Mit Feuer und Schwert) gelesen.

Tod und Öffentlichkeit
T&K 445/2009

In seinem Editorial schreibt Gauß über Jane Goody. Jane Goody hat in der britischen Reality Staffel Big Brother scheinbar die Herzen aller gewonnen, weil sie sich als absolut ungebildete aber schlagfertige Proletarierin darstellte. Das Bildungsbürgertum wagte nicht, sich dagegen zu stellen und seine Werte hoch zu halten, das wäre überheblich angekommen. Miss Goody konnte sich nach der Staffel aufgrund ihrer Popularität einen Schönheitssalon und ein Fitnessstudio aufbauen und (sie war 24 Jahre alt!) ließ sich ihre Autobiografie schreiben („Verrat an ihrer demonstrativen Verachtung der Bildungsgüter“, schreibt Gauß). Rassistische Äußerungen ließen ihre Popularitätswerte sinken, sie entschuldigte sich aber bei der von ihr verunglimpften schwarzen Schauspielerin. Wie das wohl bei uns ausgegangen wäre, frage ich mich. Ob da auch rassistische Äußerungen dazu geführt hätten, dass ein Taschenbuchverlag die erfolgsträchtige Autobiografie nicht druckt oder eine Drogeriekette ihr Parfum aus den Regalen entfernt hätte? Ich wage daran zu zweifeln. Tragisch wird die Geschichte von Miss Goody, als sie mit 26 erfährt, dass sie an Gebärmutterhalskrebs erkrankt ist. Um ausreichend Geld für ihre Kinder zu scheffeln vermarktet sie ihre Krankheitsgeschichte und ihren Tod. Befunde wurden veröffentlicht, das Begräbnis übertragen, Elton John steuerte die Musik bei und das englische Gesundheitsministerium rühmte diese Vorgangsweise, da Jane Goody so zum Gesundheitsbewusstsein vieler Frauen beigetragen hätte, die sich nun vorsorglich untersuchen ließen. Europa im Jahr 2009. Alles öffentlich, nichts intim?

Cleaning – Brief aus Hiroshima
T&K 445/2010

Mit einem Traum über den Atomkrieg beginnt diese kurze Erzählung Leo Federmairs. Einstürzende Häuser, Flucht vor dem Inferno, die Tochter Mayuko kommt vor, ebenso ein Verleger, seine Wohnung – ein Loft.

Weiter geht es  mit einer Betrachtung über das japanische Verhältnis zu den Geschlechtern, über Kindfrauen einerseits und Beziehungen von alten Frauen zu ganz jungen Burschen (Kafka am Strand wird erwähnt, der Roman, den ich immer noch nicht gelesen habe und der jetzt bei meinem Nobelpreisprojekt auch nicht vorgesehen ist, vielleicht wird’s ja noch). Federmair berichtet über diese Beziehungsgeschichten anhand einer Episode des im 10. Jahrhundert geschriebenen Romans Die Geschichte vom Prinzen Genji. Hier wird der Prinz von einer alten Hoffrau verführt, der er sich aus Scham über die Verführung hingibt. Auch ein interessanter Ansatz: Sex aus Scham.

Weiter geht es mit Betrachtungen über Japan bei Federmair über das Thema Gefahr. Gefährlich wird scheinbar vieles erlebt und man versucht sich zu schützen. Federmair berichtet auch über die Disziplin der Japaner, die genau die 10minütige Badepause im Freibad einhalten, in der der rutschige Boden (Gefahr!) gesäubert wird.

Japan – eine fremde Welt. Japan – das exotische Land, so wird es hier dargestellt, was ja durchaus stimmen mag.

Sienkiewicz

August 1, 2010

Bin jetzt in der Nobelpreisreihe 1905 angelangt – das Jahr in dem Henryk Sienkiewicz gewonnen hat. Und der ist berühmt für Quo vadis. Werde aber zumindest auch seine polnische Trilogie noch lesen, weil es gar so schöne Schinken sind.

Quo vadis von Sienkiewicz

Eines der ganz berühmten Bücher, denke ich. Und deshalb auch einige Male verfilmt. Und es eignet sich wirklich für einen ganz großen monumentalen Hollywoodschinken, 1951 wurde der gedreht, hat aber trotz einiger Nominierungen dann doch keinen Oscar bekommen.
Quo vadis, domine – das fragt der flüchtende Petrus den ihm erscheinenden Christus, der meint, er würde nach Rom gehen, um sich noch einmal kreuzigen zu lassen. Petrus kehrt daraufhin um und wird selbst gekreuzigt. In den apokryphen Schriften steht diese Geschichte geschrieben und Sienkiewicz baut daraum einen monumentalen Liebesroman. Vinicius, ein römischer Feldmann, verliebt sich in Lygia, eine Königstochter aus Lygien, Geisel in Rom. Schlussendlich wird er sie zur Gemahlin bekommen, vorher gibt es aber eine Vielzahl von Gefahren zu bestehen, v.a, deshalb, da Lygia Christin und mit tausenden anderen den hingerichtet werden soll. Ursus, ihr Beschützer, ein herkuleisch starker lygischer Dienstmann rettet sie nicht nur erst vor dem sie noch als Heide bedrängenden Vinicius sondern schlussendlich auch vor dem Märtyrertod, indem er einen Stier, auf den sie gebunden war, besiegt. Vinicius, selbst zum Christentum bekehrt, kann sich mit ihr auf eines seiner Landgüter zurückziehen.
Die Hauptperson aber ist der kunstsinnige Ästhet Petronius, dem es über lange Zeit gelingt den wahnsinnigen Kaiser Nero soweit in Schach zu halten, dass dieser kein größeres Unheil anrichtet. Schlussendlich siegt jedoch der Barbar Tigellinus und stiftet Nero nicht nur zur Brabdstiftung in Rom sondern auch zur Ermordung der Christen an.
Der gar nicht so lange, aber doch gewaltige Roman beinhaltet noch viele kleinere Episoden, aber da rate ich, es einfach selber zu lesen.

Abschluss…

Juli 30, 2010

von WienZeile 55. Vom Sonettenkranz zum Urheberrechtsstreit mit Google.

Sonettenkranz „Liebelei II“ (Simon Konttas)
WienZeile 55/2009

Zuerst zur Technik: 14 + 1 Sonette. Jedes Sonett: abab cdcd eff egg, der erste Vers jedes Sonetts ist gleich dem letzten Vers des vorhergenden Sonetts, wobei das Sonett 1 mit dem letzten Vers des Sonetts 14 beginnt und das Sonett 15 aus den ersten Versen aller vorhergehenden 14 Sonette besteht. Versmaß des 15. Sonetts ist dann abba cddc efg gfe Also ganz schön artifiziell das Ding.

Gehen tuts rein inhaltlich e schon klar aus dem Titel um Liebeleien, dabei vom Universum (die Planeten, die herumlümmeln) zum individuellen sich vortastend. Und irgendwie geht’s um triviales Leben, wenn ich es recht verstanden habe und um das sich täglich abrackern. Und alles wird irgendwann mal fahl und fad.

KATAFA – jenseits von heilig (Sophie Fielhauer)
WienZeile 55/2009

Teil x eines Romans in Fortsetzung. Arvid versucht seinem Schriftstellerleben etwas Aufschwung zu geben, indem er Knorpel der Stimmbänder und Zunge des heiligen Antonius stiehlt. Der wiederum, in einem elysischen Orte lebend mit Gabriel, Klara und Jo ist aufgebracht über die Reaktion des Vatikan, der sich anmaßt, diese reliquiaren Teile zu vereinnamen und will dieses Katafa verlassen, wohl um den vatikanischen Heiligenvermehrern mal ordentlich auf die Finger zu klopfen. Ja und einen autistoiden maler namens Adam gibt’s da auch noch in diesem Romanausschnitt. Er wohnt mit Arvid zusammen. Recht abstrus, aber gleichzeitig witzig das Ganze.

Die Sinne im Wahn (Andrea Cruse)
WienZeile 55/2009

Gedicht über das Streben nach Perfektion, den Wunsch nach mehr, die Beschleunigung und den Verlust der Langsamkeit. „Das Ich herrscht, es verstummt das Wir“. Aber „Das Gesuchte wird niemals das Gefundene werden.“

Kopfstandmensch
WienZeile 55/2009

Ein assoziationsreicher Text von Willi Hofer, ein Wort mäandert zum anderen und da kann der Leser mitmäandern – oder auch nicht, was dann aber nur der halbe Kunstgenuss wäre. Wahrscheinlich wirkt der Text bei einer Lesung noch besser als selbst gelesen. Ein Untergrundtext? Ich bin mir nicht sicher, wenn Hofer auch Duchamp in englischer Übersetzung zitiert „The great artist of tomorrow will go underground“. Ein wenig zieht sich Geschichtsaufarbeitung durch und Kriegstreiberei „und wo war die Geschichte hingeflüchtet als schon wieder die kessel zu dampfen begannen und das Rüstzeug bereit lag?: bereit zum nächsten – größeren – größten – wenn möglich letzten … Weitermachen!“ oder „und an den Säulen kleben schon Banner: farbbespritzt (noch!), doch bald: blutveschmiert, denn in den Hinterhöfen wird bereits das verfaulende Kriegsgerät ein- und umgeschmolzen.“ Oder auch: „Fahnenflucht! – Fahnenfluch!“. Gut gefallen hat mir „denn den Sprachen die Fälle über die Ohren ziehen“. Der Text hat ja keinen nacherzählbaren Inhalt, denn er ist „Schicksal? – Hörsaal – Wortwal? … Endlich ausgedacht: oder endlich etwas ausgedacht.“ Macht neugierig auf mehr, der Hofer Willi.

Das Google Gemetzel – Plattform Geistiges Eigentum
WienZeile 55/2009

Die Plattform geistiges Eigentum versucht die beste Lösung für Schriftstellerinnen und Schriftsteller in bezug auf das Google Library Project zu finden, ein projekt, das Geschriebenes kostenlos der Öffentlichkeit zugänglich macht, ohne die Autoren der Texte dementsprechend abzufinden. Es geht um einen ordentlichen Umgang mit Copyright. Literar Mechana versucht hier ein akzeptables Geschäftsmodell aufzubauen (www.literar.at) und Autorinnen und Autoren in der Vertretung ihrer Rechte gegenüber Google zu unterstützen, so steht zumindest in der WienZeile.

Die Entsperrung der Black Flag News Art (Günther Geiger)
WienZeile 55/2009

Da tauchen eine Reihe von fantastischer Namen auf: Fen Fen, Schwarzer Balken, Admiral Plato, Wodan Gerwulf, Tsin Gun, Frechynski, Mahmoud Zackling, Kapitän Peraupt, Chainshaw, Rumpelfilz. Ein gespräch ist es, das dargestellt wird. Und irgendwie geht es um ein Interland, von Nazis und ihren Ablegern durchseucht. Verstanden hab ich nichts, und ob die Erzählung wirklich frei erfunden und jedwede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen unmöglich ist, wie es zum Schluss heißt, kann ich nicht nachvollziehen, würd aber eher glauben, dass da einiges nicht Erfundenes mitschwingt.

Nachruf für meinen Mann
WienZeile 55/2009

Christian Arnulf Hecher 3.8.1959 geboren, verstorben April 2009. Maler, Grafiker und Karikaturist. Zahlreiche Ausstellungen. Bilder sind im Internet zu sehen unter http://www.unik.at/Kuenstler.php?Kat=1&ID=7&Kuenstler=11

Soweit zur mir bis dato unbekannten WienZeile. Wenn mir wieder mal eine unterkommt (angeboten wird im Straßenverkauf) werd ich sicher zugreifen, für ein fixes Abo ist derzeit mein Budget nicht ausgerichtet. Außerdem liegen ja die abonnierten Zeitschriften ungelesen herum, im literarischen aktuell heute eingetroffen das neue Literatur und Kritik, im künstlerischen das neue Kunstforum, im psychologischen die eigentlich fast schon alte (Juliausgabe) Psyche und im politischen die ksö-nachrichten. Also Lesestoff in Hülle und Fülle, daneben das Nobelpreisprojekt, angekommen im Jahre 1905, Sienkiewicz (Quo vadis – da will ich mir auch den Film geben), bei dem ich mich ein wenig aufhalten will, eventuell auch seine Polen-Trilogie reinziehen, dann ist ja da auch der Prix Goncourt schon parallel mitzudenken. Dem Leseabenteuer im Kopf steht also überhaupt nichts im Wege.