Noch ein Kunsteintrag

August 31, 2010

Heute letzte Folge der Zusammenfassung aus Kunstforum 203. Bin ja gespannt, wie lange ich diese Lesezusammenfassungen noch durchhalte. Zeitschriftenmäßig liegt derzeit nur eine Ausgabe von Raw Vision (Art Brut Zeitschrift aus England) und das Doppelheft der Psyche am unzusammengeräumten Schreibtisch. Die Herbstliteratur wird aber bald über mich hereinbrechen, dann wirds dicht. Zwischendurch vertreibe ich mir die Freizeit mit Siebenkäs und Oper, beides etwas einschläfernd.

Imaginationsobjekte
Über Sonja Vordermaier
Jens Asthoff
KF 203/2010

In einer Monografie schreibt Jens Asthoff über die 1973 geborene Sonja Vordermaier. Groß herausgehoben werden ihre Skulpturen aus der Reihe „Schatten“, der Versuch – nein eigentlich das gelungene Beispiel für dreidimensionale Darstellung eines zweidimensionalen Dinges, das ja wieder die Zweidimensionalität einer Dreidimensionalität ist, nämlich der Schatten. Wie außerirdische Objekte, fast beängstigend wachsen diese Schatten in die Räume, oder durchbrechen sogar Wände. Aus dem Spezialstoff Basotect von BASF schneidet Vordermaier mit einer eigenen Technik mit Samuraischwertern diese Skulpturen heraus. Immer wachsen sie aus Mauern heraus oder schweben frei in Räumen.

Teslasmog aus 2006 ist eine andere Arbeit die mit Unsichtbarem spielt, eine Plastik aus gebrauchten TV-Antennen mit Nestern aus Nägeln und Eisenspänen. Antennen sind „Empfangsverstärker und damit selbst … Visualisierungsmittel für Unsichtbares.“

Volatiles nennt Vordermaier ihre alltäglich erscheinenden Momentaufnahmen, die eine leise Unheimlichkeit ausstrahlen, so etwa, wenn aus einem geschlossenen Garagentor die Innenbeleuchtung wie eine streifenförmige Umrahmung durchscheint oder Tannen im Scheinwerferlicht bizarre Schatten werfen.

Witzig finde ich die Arbeit Leuchtenwald, die Zusammenstellung von dreißig Straßenlaternen aus verschiednesten teilen Europas, die wie ein Laternenbiotop (teilweise auch schräg gestellt) einen Platz (eine Lichtung im wahrsten Sinne des Wortes) füllen. Häufig erzeugte Lampen (sozusagen das Lampenunkraut) sieht man dort ebenso wie rare Stücke, die eigentlich schon ausgestorben sind.

Warten oder Fliegen – Die Power des Zeichenstiftes im Werk des Amateurs
Monografie über Diango Hernandez
Annelie Pohlen
KF 203/2010

Auf den ersten Blick lachte mich der Abdruck einer Zeichnung des kubanischen Künstlers an: Draw me Again aus 2003, ein Mädchen mit einem Schmetterlingsnetz das Schmetterlinge jagt, darunter auch einer mit einem Menschenkopf (der Künstler?) und eeiner von einem herabfallenden weißen papierblatt zugedeckt. Und ich musst sofort an die Bilder von Henri Darger denken – die Assoziation des Art Brut Liebhabers?

Die Auseinandersetzung mit der Macht spielt eine wichtige Rolle im Werk des Kubaners. 2004 lässt er Ansprachen von Präsidenten aus sechs Plattenspielern samt Ovationen zeitgleich abspielen, was nichts anderes ergibt, als eine raumfüllende Kakophonie. In D€mocracy spielt er Pariolen vor, in Spies unbefugt mitgeschnittene Reden von amerikanischen Präsidenten, beides unterscheidet sich „nicht so sehr von den Palabres der Volksrepubliken.“

Die Macht der Bilder, aber auch die Macht der Worte ist es, die auch Diktatoren das Fürchten lehren, und Hernandez spielt damit.

Vielfältig aufgeladen ist die Bilder- und Zeichenwelt von Hernandez, wenn sie auch sehr reduziert daherkommt. Dazu eine kurze Beschreibung der Ausstellung „Goldene Zeiten“, „in der Hernandez Castros Regierungszeit wie ein zum rostigen Dekor geschrumpftes System vorführt. Durch Years, 2008, ein in den Raum gezeichnetes Gitter aus jahreszahlen von 1959 bis 2008, fällt der Blick auf eine Wand voll leerer Blätter und platten wie Medaillons geronnener Relikte aus dem illustrierten Leben der Kennedys. Ein Stuhl mit zwei Beinen hält sich mittels eines Kabels an einer Sektflasche aufrecht.“

Ausstellungen in Österreich: Biennale Cuvee, O.K. Centrum, Linz, 2006

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