Kraus

August 10, 2010

Ein kleiner noch nicht veröffentlichter Nachtrag zur Lektüre von Literatur und Kritik 455 – schon vor ein paar tagen gelesen, und so wie alles hier ja eigentlich nur für mich geschrieben sozusagen als Lesetagebuch und noch immer in schwerer Zeit. Von den Rezensionen würde ich  mir, wenn es passte den Erzählband von Bettina Balaka „Auf offenem Meer“ kaufen. Hat mich von allen besprochenen Büchern (Brunngraber: Karl und das 20. Jahrhundert – Achtung, bekannt schon durch Eva Jancaks Sophie Hungers, Röggla: Die alarmbereiten – ist mir zu hermetisch, die Röggla, Röggla/Grajewski: tokio, rückwärtstagebuch – da hab ich Auszüge ich glaub in den Manuskripten gelesen, auch nicht so meins, Pohl: Die Spindelstürmer – ist nicht gar so gut beschrieben, Müller-Wieland: Wohin auch immer – da lieber die Balaka, Jonke:Alle Gedichte – Lyrik ist auch nicht meins) am meisten angesprochen. Außerdem kenn ich ihren Roman Eisflüstern, der mir sehr gut gefallen hat.

Also jetzt der Lektürenachtrag: ein bisserl Kraus und ein unbekannter Schriftsteller:

Es geht alles wie am Schnürchen, zuweilen wie am Strick
oder neue Erkenntnisse zu Karl Kraus
Eine Geschichte vom Wiener Donaukanal
Erwin Riess
L&K 455

Eine Riess-Conference, also Groll mit dem Dozenten um die Figur Karl Kraus und seine Themen, im besonderen auch um die Behandlung der Themen Behinderung und Minderheit bei Kraus. So erfahre ich auch, dass der Begriff „behindert“ zuerst bei den Nationalsozialisten aufgetaucht sei, in dem Fall natürlich der medizinische Behinderungsbegriff. Wesentlich für die Betrachtungen über das Kraus´sche Denken sind die Ausgaben der Fackel, die als ein großes literarisches Werk begriffen wird – sollte man halt auch mal lesen, ist ja im Internet lesbar (http://corpus1.aac.ac.at/fackel/). So wird etwa vom Dozenten der Artikel in der Dackel erwähnt, in dem sich Kraus über die Teerung und Federung eines Schwarzen in Amerika äußert: „Die Erker des vornehmen Badehotels auf dem Hauptplatz seien während dieses Schauspiels von einer großen Anzahl reicher Badegäste besetzt gewesen“. Groll erwähnt eine Geschichte von Kraus, wo dieser in der Fackel behauptet, der Vulkanausbruch auf Krakatau sei von der Wiener Rindfleischinnung als Rache für das Importverbot der Krakatauer für Wiener Rindfleisch hervorgerufen worden. Vorbildlich hätte sich Kraus immer für die Schwachen eingesetzt, meint der Dozent. Wir erfahren, dass Kraus Benn, Heidegger und Spengler negativ gegenüberstand und auch Furtwängler und Richard Strauß mit Spott überzog. Wir erfahren auch, dass Kraus noch in seinen letzten Werken die Gräuel des aufsteigenden Nationalsozialismus (in Deutschland ja schon an der Macht) an den Pranger stellte. Die Verharmlosung Karl Kraus als Sprachkritiker darzustellen wird angeprangert. Diesbezüglich wesentlich ist das Ende der Dritten Walpurgisnacht, ein verzweifelter Anruf gegen den nationalsozialistischen Wahnsinn. Eingebettet sind diese Betrachtungen, die auf einer Lesung von Riess in der Alten Schmiede basieren, in Ergüsse zum Donaukanal, zur Wiener Donauschifffahrt und zur Architektur am Kanal.

„Es gibt eine Insel“
Ein Besuch in  der „Bibliothek Janowitz“
Hansjörg Graf
L&K 455

Die Bibliothek Janowitz, das sind die Schriften und Betrachtungen in Zusammenhang mit der Beziehung von Rilke und Kraus zur Baronesse Sidonie Nadherny von Borutin auf Schloss Janowitz, 70km südlich von Prag gelegen. Karl Kraus hat Gedichte  an Sidonie geschrieben, es gibt einen Briefwechsel mit Rilke, ebenso mit Kraus, auch Peter Altenberg spielt eine Rolle. Alle diese Dokumente sind in der Buchreihe „Bibliothek Janowitz“ herausgegeben und die Reihe wächst.

Zur Biografie
Karl Wimmler
L&K 455

Ein Autor im  österreichischen Alphabet, der Artikelfolge über zumeist unbekannte österreichische Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts, der zwar biografisch wenig Bezug zu Österreich hat (geboren 1900 in Prag, Aufenthalte in Berlin, Exil in Amerika kehrt nach dem Krieg nach Prag zurück, dann in Berlin) aber in seinen Geschichten diesen immer wieder herstellte. Franz Carl Weiskopf war ein Linker, seine Frau wird später eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen der DDR sein. In den Zwanzigerjahren reist Weiskopf durch die UdSSR und veröffentlicht seine Reisenotizen. Im Roman „Das Slawenlied“ setzt er sich mit dem Ende des Habsburgerreiches auseinander (Österreichbezug). In Prag versucht er noch journalistisch gegen Hitler zu agitieren, bevor er sich dann über Paris absetzen muss, doppelt gefährdet als Linker und als Jude. Vielleicht wäre es mal spannend seinen Roman Lissy zu lesen, der 1957 auch verfilmt wurde. Mit einer (unvollendeten) Romantrilogie versucht er sich noch einmal mit dem Zusammenbruch des Habsburgerreiches auseinanderzusetzen, aus Sicht der Tschechen. Der Roman „Abschied vom Frieden“ wird von Wimmler als ebenbürtig dem Mann ohne Eigenschaften beschrieben. 1947 wird Weiskopf Botschafter der CSR in Stockholm, 1949 in China. 1955 stirbt er plötzlich in Berlin. Blitzlichter aus dem Leben eines Dichters, vielleicht findet sich im ZVAB ja das eine oder andere Werk.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: