Mit Feuer und Schwert

August 7, 2010

Ein Rückblick auf den Lesestoff der vergangenen Tage. Sienkiewicz Projekt Polen Trilogie 1, die Teile 2 und 3 müssen dann erst in  mein Bücherbudget passen, sind sie doch eher teuer im ZVAB zu erwerben, dafür hab ich jetzt Quo Vadis gleich dreimal, weils schon zweimal in meiner Bibliothek vorhanden war und dann auch der Text, der im Band 1905 der Freunde des Literaturnobelpreises abgedruckt ist. War ein ziemlicher Bestseller zu seiner Zeit, millionenfach verkauft und in viele Sprachen – noch zu Lebzeiten des Dichters – übersetzt. Ich werde wohl die zwei anderen Bände, übrigens auch antiquarische Ausgaben, der Allgemeinheit über eines der beiden Bücherkistl zur Verfügung stellen. Ein bisschen hab ich mich in der neuen Ausgabe von Literatur und Kritik vorwärtsgearbeitet. Die Spitalsbesuche gehen weiter, zwischen Hoffen und Bangen, was der jeweils neue Tag bringt.

Mit Feuer und Schwert

Das ist der erste Teil der Polen Trilogie von Sienkiewicz und behandelt den Aufstand der Ukrainer gegen die polnisch-litauische Herrschaft. Das Ganze spielt also in der Zeit um 1650. Kosaken und Tartaren gegen Polen,das ist die Story und im Mittelpunkt stehen 4 polnische kleinadelige Soldaten, die unter dem Fürsten Jeremi Wisnowiecki dienen: Jan Skrzetuski – er ist auch der männliche Part der natürlich ebenfalls notwendigen Liebesgeschichte, weiblicher Part ist die Fürstin Helena, der große Podbipienta, auch Longinus genannte, auch er hat eine Nebenliebesgeschichte laufen und das große Ziel 3 Feinde mit einem Schwertstreich zu töten, Michael Wolodyjowski, von Gestalt das Gegenteil des Herrn Longinus, jedoch ein gewandter Fechter und Herr Zagloba, ein dicklicher Typ, der aber mit Witz es versteht, sich durchs Leben zu schlagen und im rechten Moment auch versteht, sich trefflich im Kampfe zu schlagen. Also die Lichtfiguren wären genannt, die finsteren Gestalten sind der Kosak Bohun, der Rivale von Skrzetuski imStreit um Helena, oftmals von den 4 Helden besiegt, aber immer wieder sich aufrappelnd und plötzlich auftauchend und zu neuem Streite fordernd sowie der Kosakenhäuptling Chmielnicki, der bis zum Schluss mit seinen aufständischen Truppen der wahre Widerpart der Polen bleibt. Gleich am Beginn hören wir, dass Skrzetuski ihn irrtümlich aus den Händen seiner Häscher befreit hat. Also eion bisschen klassisches 007 Szenario Gut gegen Böse, das Böse immer besiegt bleibt doch bestehen, aufgeputzt um den witzigen Sancho Pansa Typen Zagloba, der zwar im Vorfeld eher feige zurückhaltend dann doch dreinhaut, wenns drauf ankommt. In der Schlussschlacht – es geht um die Entsetzung der belagerten Stadt Zbaraz – fällt Longinus (sein Tod wird als Märtyrertod dargestellt, durchbohrt von den Pfeilen der feigen Kosaken und Tartaren) und Skrzetuski rettet durch seinen heldenhaften Durchbruch der feindlichen Reihen (erinnert ein bisschen an Karl May das Ganze) die polnische Truppe, indem er den zögernden polnischen König dazu bringt, zum Entsatz der Stadt aufzubrechen. Natürlich bekommt er auch seine Helena zur Frau. Ich hab es ein bisschen wie Grimmelshausen gelesen, es macht ein wenig einen schelmenhaften Romaneindruck (spielt ja auch in ähnlicher Epoche). Die geschichtlichen Hintergründe dazu sind übrigens im Wikipedia nachzulesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Hetmanat#Ukrainischer_Volksaufstand_und_Bohdan_Chmelnyzkyj)

Diese Reise ging über 3 Kilometer und dauerte 33 Jahre lang
Über das Lager Glasenbach und die Glasenbacher
Ulrike Schmitzer
L&K 445/2010

Ulrike Schmitzer nähert sich – erzählerisch mäandrierend – dem Entnazifizierungslager Glasenbach und den Geschichten seiner ehemaligen Insassen. Die „Glasenbacher“ sind nicht sehr erpicht darauf, sich zu outen und die Entnazifizierung scheint auch nicht so recht gegriffen zu haben. Der Anhauch einer Versöhnung wird am Ende des Essays dargestellt, nach einer Filnvorführung über das Lager beobachtet die Autorin im Jahr 2009 wie sich der Präsident der israelitischen Kulturgemeinde und ein ehemaliger Waffen-SSler die Hand geben. Schmitzer erscheint es wichtig, sich auch mit den Tätern und Mitläufern zu beschäftigen, das sei kein Zeichen der Solidarisierung mit ihnen, sei aber wichtig, um den Mantel des Schweigens zu lüften.

Der Gründer der Firma
Besuch in Zlin
Beppo Beyerl
L&K 445/2010

Beyerl berichtet über die von der Schuhfabrik Bata geprägte tschechische Stadt, über die von Le Corbusier erstellte Stadtplanung in Achsen, über die konzentrische Anlage der Stadtzonen – im innersten Kreis die Firma, in der Schuhe am Fließband erzeugt wurden und deren Gründer Tomas Bat´a das Konzept Fords nach Europa brachte, dann folgt der Schul- und Lernbereich, dann der Unterhaltungsbereich der v.a. mit sportlicher Ertüchtigung zu tun hat (übrigens wurde für jede Position in der Fußballmannschaft ein eigener Schuh angefertigt!) aber auch ein riesiges Kino und Einkaufszentren und im vierten Kreis die Wohnhäuser. Der Weg zur Arbeit führte also durch alle diese Kreise, am Arbeitsweg konnten auch die Verrichtungen des täglichen Lebens gleich abgearbeitet werden. Auch einen Wolkekratzer gibt’s in Zlin, also der Batá Familie war nichts zu teuer, um das modernde Leben geplant in die Stadt der 65.000 Schuharbeiter Einzug halten zu lassen. Macht ein wenig neugierig auf die Stadt, der Reiseessay.

Miss World aus Bruck an der Mur
Versuch über das Steirische
Manfred Wieninger
L&K 445/2010

Eva Rueber-Staier, 1951 in Bruck/Mur geboren, 1969 Miss World, optischer Aufputz von Truppenbetreuungsshows in Vietnam, Rubelvitch in drei James Bond Filmen. Heute lebt sie als Hausfrau in England. Wer kennt denn diese Steirerin – und die war auch in Hollywood, so wie der Arnie. Wieninger macht sich ein bisschen lustig über Bruck, diese Industriestadt, die versucht sich als Wohlfühlstadt touristisch zu platzieren. So richtig wohlfühlend kann es ja nicht sein dort, wenn der sogenannte Ostring, eine auf Stelzen stehende Umfahrungsstraße gleich an die Innenstadt angtenzt („das Ganze kann man sich als eine Art Südosttangente vorstellen, die am Wiener Schottenring vorbeiführt“). Abschließend bietet Wieninger noch einen Gedanken zum Wirschafttsleben, angeregt durch die Werbung eines Paintball-Arena-Besitzers im Stadtteil Thörl:Zahlreiche Firmen nutzen die Anlage, um den Teamzusammenhalt zu fördern. „Wirtschaft ist eben Krieg, und Paintball macht das erlebbar für die Mitarbeiter“.

Miniaturen (Günther Kaip)
L&K 445/2010

9 kleine Prosastücke, Miniaturen eben. Assoziativ für mich geht es um Fragen der Kommunikation, Fragen des Miteinander, Fragen des Überlebenskampfes und der Vereinzelung, Fragen der Einsamkeit. „[Wenn] die Drehung des Schlüssels nicht vollendet [wird], dann gibt es keine Hilfe mehr“.

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