10.1.2010

Januar 10, 2010

und wieder ein eintrag im öffentlichen tagebuch meiner kultur- und leseaktivitäten.

die hörspielfassung von roths legende vom heiligen trinker hab ich mir dann nach fleißigem schneeschaufeln – und fräsen in der badewanne angehört, weil da ists auch ganz nett zu hören, wie es ja auch nett ist da drinnen liegend zu lesen. leider hab ich in der schule nicht französisch gelernt, auch später nimmer, und so konnte ich den dialogen, die der andreas da mit den ihm wunderlich begegnenden menschen führt (die geschichte spielt ja in paris) leider nicht verstehen, was der sache aber keinen abbruch tat, da ja sowieso alles in deutsch immer wieder verstehend zusammengefasst wurde, aber trotzdem – gewisse nuancen sind mir sicher verloren gegangen. eine sache, die mir schon des öfteren leid tat, dass ich damals im gymnasium mich aus liebestollem pubertären verlangen dazu überreden ließ altgriechisch zu lernen, was ich jetzt auch nicht mehr kann und das damals verehrte mädel hats mir auch nicht positiv vergolten, sie hats ja gut brauchen können dann, das griechisch, unterrichtet jetzt latein, ich wiederum habs nie wieder verwendet, würde aber jetzt ganz gerne die franzosen verstehen. also seis drum, wurde nicht, das frnazösisch, trotzdem wars ganz interessant, das hören der erzählung als hörspiel, ist ja ein bisschen so wie das sehen eines filmes von einem buch, das man gelesen hat, also meist ein bisschen enttäuschung. das war diesmal nicht der fall, konnte ich mich doch gar nicht mehr so sehr an das gelesene erinnern und so wars ein wiedererinnern, ein aha-erlebnis sozusagen, wie es dem andreas so gegangen ist mit den 200 franc, die er der kleinen theresa wieder zurückgeben soll, mit den erinnerungen an die zeit früher, vor seinem gefängnisaufenthalt, mit den vergeblichen versuchen, das geld zurückzubringen, die ehre wieder herzustellen, und wie es dann doch noch zu gelingen scheint, nicht ganz, aber immerhin. es war eine entspannende stunde in der badewanne.

filmisch hab ich mich dann auch weitergebildet, weitaus weniger entspannend sondern sehr verstörend, angeekelt und doch wieder beeindruckt von dem unglaublichen körpereinsatz, den die wiener aktionisten da in den 60er jahren künstlerisch vollführten, v.a. der günter brus, wobei ich mir immer denke, wie weit das wohl auch künstlerisch verbrämte pathologie war. kurt kren hat einige der aktionen filmisch dokumentiert, in der tate modern hab ich daraus einen ausschnitt gesehen, allerdings nicht, wie ich irrtümlich in der erinnernden reflexion dachte aus lena und der schwan, weil das heißt leda mit dem schwan und ist eine mühl-aktion sondern aus selbstverstümmelung. der kren zerstückelt diese aktionen noch einmal mit unheimlich raschen filmschnitten, was mir gerade bei den mühlschen aktionen sehr gut erscheint, weil er dadurch die mühlsche pornografie in meinen augen künstlerisch verbessert (der mühl hat in den dokumentierten aktionen immer nur nackte models mit farbe begossen, mit essen belegt und beschmiert, fellatio und cunnilingus aktionistisch eingesetzt, es kommt mir ein wenig machistisch vor, vielleicht aber auch ein vorurteil im wissen um seine spätere geschichte) und den brusschen selbstvernichtungswillen hält man dadurch besser aus. Besonders eklig der film 20. september, der den stoffwechsel zum inhalt hat, man sieht also nicht nur, wie mensch sich flüssigkeit und speise einverleibt sondern auch, wie diese den körper wieder verlassen. alle dokus sind relativ kurz (2 bis 9 minuten), teilweise farbe, teilweise schwarz weiß und ohne ton, stumm. ein dokument des wiener aktionismus, das in der filmreihe filmarchiv austria erschienen ist.

und dann noch lettre weitergelesen, ein artikel über jazz, ein artikel über fado und ein artikel über elektronische musik, alles interessante inhalte zu unterschiedlichen genres, den fado hab ich in lissabon ja nur im touristensightseeingbus, nicht in einem lokal life gehört, er wird immer wieder als das lissabonner pendant zum wienerlied auch genannt, scheint aber weitaus politischer gewesen zu sein, wenn auch von der diktatur (1926 – 1974) für ihre zwecke missbraucht, aber immerhin so gefürchtet, dass die texte der lieder der zensur unterworfen wurden.

den jazz und die elektronische musik kann jeder in wien hören, deshalb dazu jetzt keine unnützen auslassungen.

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2 Responses to “10.1.2010”

  1. Eva Jancak Says:

    Französisch läßt sich sicher nachlernen, ich habs fünf Jahre in die sogenannten Knödelakademie getan, es ist aber nicht viel hängengeblieben, beim Hörspiel habe ich vorbeigehört, so immer zwischen dem Korrigieren, war aber interessant, trotz Französisch oder vielleicht gerade deshalb.
    Schade, daß du nicht zum Geburtstag kommst, Alfred läßt dich fragen, ob du Morgen ins Amerlinghaus gehst, denn da liest die Andrea Stift bei den Wilden Worten, ich glaube er will dich gern dort treffen und gerade habe ich ein wildes Buch gelesen, das ich gleich besprechen will.

  2. Eva Jancak Says:

    Weil jetzt Ostern kommt könntest du eigentlich wieder ein bißchen weiterschreiben.
    Ich freu mich darauf und würde heute gerne ins koko zur finissage marschieren, weil ich auch Anregungen brauche, muß aber abrechnen und dann nach Harland und zu den Osterspaziergängen fahren.
    Am 14. 4. zur Ausstellungseröffnung habe ich aber ganz fest vor zu kommen, obwohl da auch Annas 26. Geburtstag ist. Werde ich dich da sehen?


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